Wie Essen meinen Tag bestimmte.

Und wie es sich verändert hat, seit ich einen Magenbypass habe.

Diese Aussage scheint dir vielleicht sehr dramatisch. Wie kann denn Essen den Tag bestimmen, fragst du dich wahrscheinlich. Glückwunsch, du hast also dieses Problem nicht. Sei froh.

Ich hatte dieses Problem bis zum 31.1.2019. An diesem Tag habe ich meinen Magenbypass bekommen und bin seit dem viel befreiter. Es klingt vielleicht paradox, aber seit ich operiert bin und einen „neuen“ Magen habe, muss ich mir viel weniger Gedanken ums Essen machen als vorher.

Natürlich muss ich darauf achten, dass ich meine empfohlene Eiweissmenge pro Tag zu mir nehme, nicht zwischendurch esse, sondern nur drei Mahlzeiten am Tag und immer auf meine Trinkmenge komme. Aber diese „Regeln“ stressen mich nicht. Bis auf die Trinkmenge…da muss ich noch dran arbeiten.

Eiweissshake oder Pasta?

Vor meiner Operation habe ich ja schon so einiges an Diäten ausprobiert. Jahrelang habe ich die unterschiedlichsten Ernährungsweisen getestet und versucht meine Ernährung, nach bestimmten Regeln, umzustellen. Mit Low Carb hat es am besten geklappt, kurzfristig, Gewicht zu verlieren.

Wenn ich morgens jedoch schon wusste, dass ich statt Nudeln zum Mittag zu essen, einen Eiweissshake trinken musste (weil ich mir das so vorgenommen habe), hatte ich schon schlechte Laune auf dem Weg zur Arbeit. Auch zum Frühstück einen Quark mit Früchten zu essen, statt ein Croissant oder ein Sandwich hat mir die Laune verdorben. Ich hatte viel mehr Lust auf ein Sandwich und musste, weil ich ja abnehmen wollte, einen Quark essen. Klar, der hat weniger Kalorien und macht auch super satt, nur hat er mir einfach nicht geschmeckt. Egal wie gut er verfeinert war.

Ich habe abends darüber nachgedacht was ich am nächsten Tag essen soll, damit ich nicht noch dicker werde. Quark zum Frühstück, Salat mit Hähnchenbrust zum Mittag und Paprika-Hackfleisch-Topf als Abendesse. Ohne Beilage, versteht sich. Kohlenhydrate nähen nämlich nachts die Kleidung enger. Allein beim Gedanken an meinen nächsten Tag schob ich schon Frust. Und dran halten konnte ich mich in den seltensten Fällen.

Nachdem ich morgens meinen Quark gegessen hatte, war ich so frustriert, dass es zum Mittag nur Salat geben sollte, dass mein innerer Schweinehund am Ende den Kampf gewonnen hat und ich mir doch einen Döner, oder sonst was, gekauft habe.

Frustriert und versagt

Die ersten Bissen vom Döner (Pasta, Pommes, Pizza etc.) waren dann immer so gut, dass sich meine Laune schlagartig besserte. Bis ich satt war und mich wieder über mich selbst geärgert habe, warum ich meinen Plan vom Vorabend nicht durchziehen konnte. Ich fühlte mich als Versagerin und war wieder schlecht gelaunt.

Mit dem Wissen, beim Mittagessen gesündigt zu haben, nahm ich mir jedesmal fest vor, am Abend Low- oder No Carb zu essen. Damit ich wenigstens ein bisschen Wiedergutmachung leisten kann.

Nach einem anstrengenden Tag mit vielen Beratungsgesprächen, schmerzenden Füssen, Beinen und Rücken (hallo Übergewicht) und total müde, hatte ich aber keine Lust, mich um halb sieben (nach einer Spätschicht halb neun) noch in die Küche zu stellen und Gemüse zu schnippeln. Also wanderte eine Tiefkühlpizza oder irgendetwas anderes, vermeintlich schnelleres, in den Ofen, damit ich mich etwas ausruhen konnte.

Morgen aber wirklich…

Nachdem ich es also auch am Abend nicht geschafft hatte meinen Plan einzuhalten, versprach ich mir, am nächsten Tag standhaft zu bleiben und mich richtig gesund zu ernähren. Diesmal aber wirklich.

Jetzt kannst du dir vielleicht schon denken, dass das nicht funktioniert hat.Sonst gäbe es ja keinen Magenbypass Blog von mir.
Im Grunde sah jeder Tag gleich aus. Feste Vorsätze, deswegen schonmal grundsätzlich schlechte Laune. Vorsatz nicht eingehalten und daher wieder schlechte Laune. Es war ein Teufelskreis. Und das ging über Jahre so.

Nach dieser Erklärung verstehst du vielleicht was ich mit „Essen bestimmt meinen Tag“ meine. Ich habe mir ständig Gedanken ums Essen gemacht. Was kann ich essen um nicht zu zunehmen? Wie kann ich meinen Plan einhalten? Was tue ich, wenn ich es nicht geschafft habe? Und so weiter und so fort. Ich habe mir Bücher mit leckeren Rezepten zum Abnehmen gekauft. Hätte die jemand für mich gekocht, hätte ich das auch gegessen. Aber noch eine Dreiviertel Stunde bis Stunde in der Küche zu stehen und zu kochen, nach einem stressigen Tage mit Schmerzen überall? Nein, danke.

Was ist denn jetzt anders?

Du fragst dich vielleicht ob ich seit der OP auch einen anderen Job habe, der mich nicht mehr so stresst und auslaugt. Ähm, nö. Ich bin einfach fitter. Habe kaum noch Schmerzen und auch die Gelüste sind fast nicht da.

Mir macht es nichts mehr aus Quark mit Früchten zu essen, oder einen Eiweissshake zu trinken und damit eine Mahlzeit zu ersetzen. Ich habe deswegen keine schlechte Laune mehr. Wahrscheinlich weil mich die Lust auf Pizza, Döner, Pommes und co. nicht mehr im Griff hat.

Bei einer Magenbypass Operation wird nicht nur der Magen auf die Grösse einer Espressotasse verkleinert. Durch die „Stilllegung“ des grossen Restmagens wird auch in den Hormonhaushalt eingegriffen. Da der Zwölffingerdarm vom Nahrungskontakt ausgeschlossen und die Nahrung direkt in den Dünndarm geleitet wird, werden spezielle Darmzellen aktiviert, welche stoffwechselaktive Hormone ausschütten. Durch diese Hormone, wird eine Verbesserung des Stoffwechsels erzielt und die Sättigung setzt viel früher ein. (Quelle: Hirslanden.ch)

Durch diesen Effekt, habe ich weniger, bis gar keinen Hunger. Und auch Gelüste auf fettiges und kohlenhydratreiches sind fast nicht mehr da. Natürlich esse ich gerne mal einen Burger, besser gesagt, ich beisse dreimal rein und bin satt, oder fünf bis sechs Pommes, aber ich muss mich nicht mehr mit dem Zeug vollstopfen. Ich denke nicht mehr ständig an solche Nahrungsmittel. Mir reicht es, wenn ich vom Burger dreimal beissen kann und bin dann nicht traurig oder genervt, dass ich ihn nicht fertig essen kann. Ich hatte ja was ich wollte.

Ich hoffe, ich konnte dir hiermit verdeutlichen, wie es mir all die Jahre ging. Das Thema Essen hat mich irgendwann psychisch belastet und ich bin froh, dass dem jetzt nicht mehr so ist.

Ich freue mich in den Kommentaren, von dir zu lesen, ob du ähnliche Erfahrungen gemacht hast.

Liebe Grüsse,
Jessi

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