Vorteile und Nachteile eines Magenybpasses: Teil 2

Nachteile nach Magenbypass-Operation

In meinem letzten Beitrag habe ich bereits die Vorteile aufgezählt, die es für mich nach der OP gab.

Allerdings gibt es auch einige Nachteile und von diesen berichte ich dir hier.

Trinken und Essen trennen

Mit einem Magenbypass sollte man das Essen und das Trinken voneinander trennen. Das bedeutet, dass ich bis kurz vor dem Essen trinken darf, zum Essen allerdings nicht mehr. Erst eine halbe Stunde nach meinem letzten Bissen darf ich wieder trinken.

Aber warum?

  1. Der Magenpouch könnte sich durch gleichzeitiges Essen und trinken weiten.
  2. Der Nahrungsbrei wird zu schnell in den Dünndarm gespült. Dadurch habe ich entweder zu schnell wieder Hunger oder ich bekomme ein Frühdumping.

Manche Ärzte oder Adipositaszentren sagen, man soll eine halbe Stunde vor und nach dem Essen nicht trinken. Mein Arzt und meine Ernährungsberaterin sagten mir, dass ich bis kurz vor dem Essen trinken darf. Es scheint auch hier wieder unterschiedliche Empfehlungen zu geben. Ich denke, jeder sollte für sich herausfinden, wie es am angenehmsten ist.

Ich halte mich auch nicht immer genau an diese halbe Stunde. Manchmal trinke ich bereits nach 20 Minuten einen kleinen Schluck, wenn ich es wirklich nicht mehr aushalten kann.

Supplementierung

Weitere Nachteile sind die Verminderte Aufnahme von Nährstoffen und das Supplementieren ebendieser.

Da ich, durch die verkürzte Darmpassage, nicht mehr alle Vitamine aus der Nahrung aufnehmen kann, muss ich extra Vitamintabletten einnehmen. Wahrscheinlich mein Leben lang, allerdings habe ich auch von manchen gehört, die seit Jahren keine Vitamintabletten nehmen und trotzdem tolle Blutwerte haben. Auch hier ist jeder Mensch unterschiedlich.

Die Vitamine kosten natürlich auch Geld. Das, was ich beim Lebensmittelkauf spare, gebe ich teilweise hier wieder aus. Obwohl ich momentan normale Vitamintabletten aus dem Supermarkt nehme. Bis jetzt haben diese ausgereicht, aber ich habe demnächst wieder eine Blutuntersuchung, da werde ich sehen ob ich umstellen muss.

Weiter nehme ich, Vitamin D und Biotin zu mir. Das Biotin nehme ich wegen meines Haarausfalls. Und da kommen wir schon zu weiteren Nachteilen.

Haarausfall

Durch hormonelle Veränderungen und verminderter Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung, kann es zu Haarausfall kommen. So wie ich das mitgekriegt habe, passiert das tatsächlich bei den meisten Operierten.

Meistens fängt der Haarausfall circa 3-4 Monate nach der Operation an und hält etwa 3-4 Monate an. Bei einigen auch länger. Ich hoffe, dass es bei mir demnächst wieder weniger wird. Um mein Haarwachstum zu unterstützen nehme ich reines Biotin in Kapseln aus der Apotheke zu mir. Das ist mit meinem Hausarzt so abgesprochen, da mein Vitamin-H Wert beim letzten Bluttest so niedrig war.

Medikamente

Weitere Nachteile sind bei der Einnahme von Medikamenten zu finden.

Es gibt sogenannte NSAR Medikamente ( nichtsteroidales Antirheumatikum), welche wir Magenbypassoperierten nicht einnehmen dürfen. Diese NSAR Medikamente greifen die Magenschleimhaut an und können Magengeschwüre oder Magendurchbrüche auslösen.

Ibuprofen und Aspirin sind zwei der bekanntesten NSAR Medis. Wenn ich also Schmerzen habe, muss ich auf Paracetamol ausweichen. Aspirin habe ich allerdings vor der Operation schon nicht vertragen. Davon bekam ich immer Magenschmerzen.

Hier muss man wirklich aufpassen. Auch, wenn man sich in der Apotheke etwas gegen Erkältung holt sollte man, entweder genau wissen was man nehmen darf oder den Apotheker fragen, ob im Grippemittel der NSAR Wirkstoff enthalten ist.

Wir Bypässler müssen also bei Medikamenten immer gut hinschauen, was wir da nehmen, sonst kann es übel enden.

Auch die Wirkung mancher Medis sind herabgesetzt, durch die verkürzte Darmpassage.

So zum Beispiel die Anti-Baby-Pille. Es kann passieren, dass sie nicht mehr ihre volle Wirkung hat und man ungewollt schwanger wird. Womit man nach der Operation sowieso ein bis zwei Jahre warten sollte.

Eiweiss, Eiweiss, Eiweiss

Immer darauf zu achten, dass man auch ja seine Tagesdosis Eiweiss zu sich nimmt, gehört für den ein oder anderen auch zu den Nachteilen.

Zum Beispiel für mich.

Um 60 Gramm Eiweiss zu mir zu nehmen, muss ich mich sehr anstrengen. Ohne Eiweisspräparate schaffe ich es an den meisten Tagen nicht. Ich habe mir angewöhnt zum Frühstück einen Proteinshake zu trinken. So kann ich schonmal knapp 25-30 Gramm Eiweiss abhaken.

Zu jeder Mahlzeit etwas Eiweisshaltiges zu essen, schaffe ich auch nicht immer. Wenn wir Pasta kochen, achte ich bereits darauf ein paar Fleischbällchen in die Tomatensauce zu geben. Oder ich mache Thunfisch-Pasta. Bolognese ist auch super, da ich hier das Hackfleisch habe, welches Eiweiss liefert. Spaghetti mit Basilikum-Pesto ist allerdings so eine Sache… keine Eiweissbeilage.

Ich versuche so viel wie möglich mit Eiweissreichen Beilagen zu kochen. Allerdings gibt es immer wieder Tage an denen ich nur die Hälfte meines Bedarfs decken kann. Das passiert vor allem dann, wenn ich kaum Hunger habe und nur zwei drei Bissen runter kriege.

Hängende, schlaffe Haut

Ich muss sagen, dass mich dieses Problem nicht stark betrifft. Ich habe ja „nur“ 34 Kilo abgenommen. Meine Haut war also nicht ganz so ausgedehnt und hat sich auch teilweise sehr gut zurückgebildet. Aber auch ich habe leichte Winkearme oder, wie ich gerne sage, Fledermausarme. Auch meine Haut am Bauch und an den Oberschenkeln und am Po ist leicht wabbelig aber es hängt nichts runter, geschweige denn überlappt sich irgendwo.

Somit brauche ich auch keine Wiederherstellungsoperation. Meine Fledermausärmchen stören mich nicht. Nach einer Abnahme von 50-100 Kilo sieht das natürlich schon ganz anders aus.

Bei manchen hängt die Haut ziemlich stark und bereitet gesundheitliche Probleme. Die überschüssige Haut kann sich entzünden und muss irgendwann entfernt werden.

Darüber sollte man sich vor der Magenoperation bewusst sein. Es kann passieren, dass man später noch mehrere Hautstraffungs-Operationen machen lassen muss.

Frostbeule oder Gfrörli, wie man in der Schweiz sagt

Ja, diese Fettschicht, die man da an sich hatte war wirklich sehr isolierend. Ich war zwar noch nie ein Mensch dem ständig zu warm war, aber so gefroren wie mit 34 Kilo weniger habe ich auch nie.

Kalte Füsse und Hände sind fast an der Tagesordnung. Ein kleiner Luftzug und mich fröstelt es. Wir haben jetzt Ende September und ich habe letztens mit Heizdecke, zwei Zudecken, Pyjama und dicken Wollsocken geschlafen, weil ich der reinste Eisblock war. Ich frage mich, was ich mache wenn es demnächst mal wieder -10 Grad werden.

Da sind plötzlich Knochen

Das klingt vielleicht blöd für jemanden der nicht so viel wiegt und es gewöhnt ist, dass man ein Schlüsselbein sieht oder die Hüftknochen spürt. Aber für mich ist das was ganz Neues. Meine Knochen waren immer sehr gut gepolstert und versteckt. Jetzt habe ich Knochen die man sieht und die ich spüre.

Länger als zehn Minuten auf einem harten Stuhl sitzen? Fast unmöglich. Auf der Seite liegend schlafen und die Knie aufeinander legen? Igitt und Aua. Mit der Schulter an eine Wand anlehnen? Keine Chance.

Jetzt, da meine Knochen keine Polsterung mehr haben ist so manches ziemlich unangenehm. Ich empfinde das Gefühl aufeinanderliegender Knie als eklig und muss mir beim Spielen mit dem Hund ein Kissen unterlegen, wenn ich dabei auf unserem Wohnzimmerboden sitze. Meine Knochen tun mir teilweise richtig weh, vor allem die am Hintern.

Das hat einem vor der OP keiner gesagt. Allerdings nehme ich das sehr gerne in Kauf. Wenn das alles ist…

Du siehst, es gibt doch einige Nachteile einer solchen Operation. Mal abgesehen von Dumpings, Schmerzen und möglichen Folgeoperationen, gibt es Dinge, die im Alltag teilweise Nachteile sein können. An diese muss man sich erst einmal gewöhnen.

Ich hoffe, dieser Beitrag war interessant und hilfreich. In meinem nächsten Beitrag geht es um Suchtverlagerung und was das genau ist.

Liebe Grüsse,

Jessi

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